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Nur Versöhnung kann uns retten

Der furchtlose Einsatz von Erzbischof Simon Ntamwana für Frieden in Burundi

Die Weltöffentlichkeit schaute vor allem nach Ruanda, als auch in Burundi hunderttausende Menschen während des Völkermordes starben. Erzbischof Simon Ntamwana hat diese Tragödie am eigenen Leib erfahren: Über 100 seiner Familienmitglieder wurden getötet. Er selbst kehrte nach der Priesterausbildung in Rom in eine traumatisierte Heimat zurück, die keine Nachbarn, sondern nur noch Feinde kannte.

Ihm wurde bewusst: Das einzige, was unser Land retten kann, ist der Weg der Versöhnung. Er gründete ein Hilfswerk, das zu einem Hoffnungsanker für zehntausende Menschen wurde. Heute arbeiten in seiner Organisation Opfer wie Täter des Völkermordes Seite an Seite, um die Wunden der Vergangenheit zu überwinden. Ihre Geschichten werden in diesem Buch erzählt.

Die bewegende Biografie eines der großen Versöhner Afrikas, der unerschrocken für Freiheit, Frieden und ein würdevolles Leben eintritt.
  • Nr. 835186
  • · 13,5 x 21,5, mit 8 Seiten Bildteil, 208 Seiten
  • · 02/2018
  • · adeo
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Marianne, 18.08.2018

Nicht nur, dass Burundi eines der ärmsten Länder der Erde ist; in den letzten Jahrzehnten gab es in diesem kleinen, ostafrikanischen Land immer wieder politische Turbulenzen und schwerwiegende Konflikte. Unzählige Opfer wurden in den Bürgerkriegen brutal niedergemetzelt, teilweise von Menschen, mit denen sie jahrelang friedlich zusammengelebt hatten.

 

In diesem Buch porträtiert Angela Krumpen Erzbischof Simon Ntamwana, der sich in dieser bewegten Zeit in seiner Heimat für Versöhnung einsetzt. Obwohl die Autorin am Anfang des Buchprojekts nicht nach Burundi reisen konnte, da das zu gefährlich gewesen wäre, traf sie den Erzbischof und mehrere seiner Mitarbeiter in einem abgelegenen Haus im benachbarten Ruanda. In vielen Gesprächen sammelte sie Informationen über das Blutvergießen in Burundi, vor allem interessierte sie sich dafür wie Täter und Opfer Versöhnung erleben. Die Aufzeichnung dieser Gespräche bildet den Hauptteil dieses Buchs. Kurz wird auch über eine spätere Reise berichtet, bei der die Autorin die Armut dieser Menschen hautnah miterlebte. Eine schöne Ergänzung sind die farbigen Bilder in einem kurzen Bildteil.

 

Schon als Kind hörte der Erzbischof von seinem Vater, „Sich zu versöhnen, bedeutet, sich anders zu erinnern, sich so zu erinnern, dass alle eine Zukunft haben.“ Mit seiner ganzen Kraft setzt er sich nun dafür ein, dass Menschen in seinem Land sich versöhnen. Er ist davon überzeugt, dass alle Menschen miteinander verbunden sind, und er sagt, „Und, das ist das Entscheidende, diese Menschlichkeit als Ganzes nimmt Schaden, wenn irgendeines seiner Mitglieder in seiner Würde beschädigt ist, genauer, sich selbst durch seine Tat beschädigt hat.“

 

Aus diesem Grund fordert der Erzbischof die Opfer auf, sich mit den Tätern zu versöhnen. Das kann sogar bedeuten, dass das Opfer sich zuerst entschuldigt. Ein Mitarbeiter Simons erklärt es so; er würde jemandem, der ihn bestohlen hat, sagen, „… ‚Mein lieber Freund, wie kann ich dir helfen aufzuhören, als Dieb in der Welt zu sein? Wenn du weitermachst, wird man dich ins Gefängnis bringen. Wie kann ich dir helfen, diese schlechte Gewohnheit aufzugeben?“

 

Neben der Beschreibung von abscheulichen Taten und schlimmen Erfahrungen durch lieblose Angehörige, sprechen Opfer und Täter immer wieder darüber, wie sie Versöhnung erlebt haben. Die Autorin kann das Gehörte kaum fassen. Wie ist Versöhnung, angesichts solcher Schandtaten, überhaupt möglich? Die Spannung zwischen konsequenter Versöhnungsbereitschaft und der Unbegreiflichkeit einer solchen Liebestat bleibt bis zum Schluss des Buchs bestehen.

 

Der Schreibstil ist gut und fesselnd, auch wenn die Erzählweise ungewohnt ist. Es werden überwiegend Gespräche und Erinnerungen von Erzbischof Simon und seinen Mitarbeitern weitergeben. Durch die wechselnden Gesprächspartner ist es manchmal etwas schwer zu folgen, und einiges wird wiederholt.

 

Das Buch bietet einen spannenden Einblick in die Konflikte eines Landes, über das in der Weltöffentlichkeit nur wenig berichtet wird. Die Gedanken über Versöhnung sind sehr herausfordernd. So bewundernswert diese umfassende Versöhnung ist, frage ich mich, ob Menschen aus eigener Kraft überhaupt dazu fähig sind. Versöhnung wird hier als notwendige Tat im Rahmen der Menschlichkeit betrachtet, der Glaube spielt dabei keine große Rolle.

peedee, 26.12.2018

Gelebter Glaube in Höchstform

Burundi gilt als das drittärmste Land der Welt. Allein das wäre schon eine Tragödie, aber in Burundi starben hunderttausende Menschen während des Völkermordes und die politischen Unruhen dauern bis heute an. Erzbischof Simon Ntamwana stammt selbst aus Burundi, wo über hundert seiner Familienmitglieder getötet wurden. Nach seiner Ausbildung in Rom kehrte er in seine Heimat zurück, um sich vor Ort für die Versöhnung einzusetzen: „Nur Versöhnung kann uns retten.“

Erster Eindruck: Ein zweigeteiltes Cover auf dem Schutzumschlag (ich bin kein Fan von Schutzumschlägen); oben Erzbischof Simon und unten ein Landschaftsbild aus Burundi – schön. Das Layout des Buches gefällt mir, insbesondere, da die Quellenangaben gleich als Fussnoten eingearbeitet sind. Die Fotos in der Mitte des Buches bereichern diesen Bericht sehr.

Der Untertitel heisst „Der furchtlose Einsatz von Erzbischof Simon Ntamwana für Frieden in Burundi“. Wer nun denkt, dass er der Einzige sei, der sich dafür einsetzt, täuscht sich. Der charismatische Erzbischof ist jedoch die wahrscheinlich einzige, über die Landesgrenzen hinaus bekannte Person, die mit vollster Überzeugung für Versöhnung lebt und das Werk „Vie Nouvelle pour la réconciliation“ („Neues Leben durch Versöhnung“) aufgebaut hat. Die meisten Personen, die für ihn arbeiten und damit auch für Versöhnung und Frieden einstehen, bleiben der Öffentlichkeit unbekannt. Doch ein paar Weggefährten erzählen von ihrer persönlichen Geschichte und lassen mir zuweilen den Atem stocken. Sie haben Grauenhaftes erlebt und trotzdem haben sie Vergebung ausgesprochen! Es sei der einzige Weg… das macht mich sprachlos!

 „Zwei einfache Wahrheiten: Es gibt nichts, was nicht vergeben werden könnte. Und es gibt niemanden, der keine Vergebung verdient hätte.“ (Desmond Tutu)

 

Das Besondere in diesem Buch: Die Autorin lässt nicht nur Opfer zu Wort kommen, sondern auch Täter. Die leidvollen Geschichten berichten z.B. von Adèle, die mit eingeschlagenem Kopf und fast abgetrenntem Arm in ein Massengrab geworfen wurde und das eine ihrer beiden Kinder auf abscheuliche Weise verlor oder von Josiane, die als 16-Jährige durch Vergewaltigung schwanger und von der Familie verstossen wurde. Oder von Täterseite berichtet z.B. Emmanuel, der mehrere Menschen ermordet hat, ins Ausland flüchtete, aber später zurückkam, im Gefängnis sass und nun auch für das Versöhnungswerk arbeitet. Die porträtierten Menschen beeindrucken mich sehr: sie haben unendlich viel Leid erfahren und sind doch voller Hoffnung! Auch der Erzbischof, der seit Jahren in Lebensgefahr schwebt und darum speziell beschützt werden muss, gibt nicht auf, seinen Landsmännern und -frauen immer wieder Versöhnung anzubieten… DAS ist gelebter Glaube in Höchstform! Vielen Dank und Gottes Segen für die Autorin und alle an diesem Buch Beteiligten.

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