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Verstand als wichtigste Ressource

Die Zukunft ist digital

Hat Deutschland die Digitalisierung verpasst? Kann die Corona-Krise zum Weckruf werden? Zwei renommierte Technologie-Pioniere mit ihrer Vision.

Foto: Darius Ramazani

Thomas Middelhoff und Cornelius Boersch erklären im Interview, warum die deutsche Wirtschaft dringend ein Update braucht.

 

Welchen Leitgedanken würden Sie über die aktuelle Situation in Deutschland stellen?

Thomas Middelhoff: Den Begriff der „kreativen Zerstörung“ von Joseph Schumpeter. Es bedarf der Zerstörung von Altem, damit sich etwas Neues und Zukunftsweisendes entwickeln kann.

 

Was hat Sie bewogen, ein Buch über Digitalisierung zu schreiben?

Cornelius Boersch: Die Zeit ist überreif für solch ein Buch – in einer Zeit, in der eine Krise uns den Zusammenhang zwischen neuer Technologie und verlangsamtem Klimawandel in aller Deutlichkeit vor Augen führt: saubere Luft in Peking und Zoom-Meetings statt Inlandsflüge.

 

Deutschland gilt vielen noch als einer der weltweit führenden Wirtschaftsstandorte. Ungeschlagener Exportweltmeister, glänzende Ideenschmiede — „Made in Germany“ eben. Doch Sie sagen, dass es damit längst vorbei ist?

CB: Wir haben uns auf unserem Erfolg zu lange ausgeruht. Und er basiert auf Technologien wie dem Auto- oder Maschinenbau, die in Zukunft kaum noch eine Rolle spielen werden. Zusätzlich, und das ist dramatisch, haben wir den Zugang zum Endkunden verloren. Google, Amazon und Co. bestimmen hier den Markt. Den müssen wir – unterstützt von der Politik – jetzt zurückerobern, sonst gehen hier bald die Lichter aus.

 

Die Viruspandemie stürzte auch Deutschland in eine Krise und schob auch die Digitalisierung an. Wie können wir diese Chance nutzen?

TM: Es braucht ein Umdenken bei den Entscheidungsträgern, denn die Anwender, die User, die Kunden und Verbraucher, haben ja ganz aktuell und eindrücklich unter Beweis gestellt, dass sie bereit sind, ihr Verhalten schnell, radikal und nachhaltig zu ändern. Jetzt ist die Elite dran!

 

Was braucht es noch für einen guten Umgang mit den digitalen Möglichkeiten?

CB: Wir brauchen die derzeitige Wertedebatte über das Internet – und zwar so lange, bis wir funktionierende Regeln eingesetzt haben, die Wirtschaft und Unternehmertum ebenso fördern wie Menschenrechte und den freundlichen Umgang miteinander.

 

Wie sieht Ihre Vision für ein digitalisiertes Deutschland aus?

TM: Es ist 30 Sekunden vor 12. Das zeigen zahllose Studien. Deutschland ist im internationalen Vergleich abgehängt. Wenn die Krise unsere Politiker und Unternehmer dazu bringt, jetzt umzudenken und zu digitalisieren, haben wir noch eine Chance!

CB: Wir müssen einen Weg aufzeigen, wie man in der Zukunft klug und nachhaltig wirtschaften kann. Eben nicht mehr mit Autos, Stahl und Aufzügen, sondern mit smarten Services und Produkten.

 

Das Interview führte Annette Friese.

 

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