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Das Glück ist nur ein Regal weit entfernt

Wie Ulrich bei IKEA einzog

A.S. Dowidat verrät, wie ihr (Anti-)Held Ulrich zu dem wurde, der er ist. Und warum sie dafür öfter ins Möbelhaus fuhr

Foto: privat

Ich träumte plötzlich davon, wie es wäre, nachts unbemerkt ein Möbelhaus zu durchstreifen.

Als Kind träumte ich davon, nachts im einem Spielzeuggeschäft alleine zu sein und dort nach Herzenslust herumzutoben. Das wäre mein Kinderparadies gewesen! Später erfand IKEA ein Paradies gleichen Namens, damit Eltern in Ruhe durch die Möbelhäuser wandeln können. Und ich träumte plötzlich davon, wie es wäre, nachts unbemerkt ein Möbelhaus zu durchstreifen.

Als ich dann einen Roman schreiben wollte, in dem ein vom Leben gebeutelter Anti-Held etwas Außergewöhnliches tut – da wurde Ulrich geboren. Fortan begleitete mich die Figur des Ulrich mehrere Jahre, der erste Entwurf war schnell geschrieben, doch irgendetwas fehlte noch, Ulrich war noch nicht der, der er sein wollte. Ich legte das Manuskript erst einmal beiseite und schrieb andere Romane.

 

Doch eines fehlte eben noch: der zündende Funke für Ulrich!

Vor ungefähr zwei Jahren ertappte ich mich dann dabei, immer öfter zu IKEA zu fahren, ohne dass ich dort viel kaufte, weil ich schon alles hatte, was ich brauchte. Doch eines fehlte eben noch: der zündende Funke für Ulrich! Da erwischte ich mich selbst dabei, wie ich aus Spaß die bei IKEA bereitliegenden Notizzettel zum Möbelkauf mit Fragen à la »Was wird dieser Kleiderschrank in Ihrem Leben wirklich ändern?« oder »Was wollen Sie in diesem Topf kochen und wen laden Sie dazu bestimmt nicht ein?« beschriftete und in Kleiderschränken und Töpfen versteckte. Und traute mich nie abzuwarten, was passiert, wenn jemand einen dieser Zettel entdeckt.

 

Genau das könnte Ulrich auch tun!

Doch dachte ich mit einem Mal: Genau das könnte Ulrich auch tun! Und er würde abwarten, was passiert! Und vielleicht trifft er sogar auf eine Person, die ähnlich verrückt ist und sich ebenso fragt, was im Leben wirklich wichtig ist. Und dann noch auf eine Nachtwächterin, die ganz außergewöhnlich zu sein scheint. Immer mehr fiel mir zu Ulrich ein, ich sah ihn förmlich durch das Möbelhaus gehen und schrieb den Romanentwurf noch einmal komplett um. Und besonders freute ich mich, dass ich nun gute und wichtige Gründe hatte, ständig zu IKEA zu fahren, die Besucher dort zu beobachten und im Restaurant Mandelkuchen zu essen.

Von der ersten Fassung von »Ulrich«, die vor acht Jahren entstand, bis zum gedruckten Buch ist übrigens nur ein einziger Satz fast unverändert geblieben: der allerletzte.

 

 

 

Eine Leseprobe zum Buch finden Sie hier.

                                                                                                                                               

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