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INFOS
Träumen, Scheitern, Kämpfen, Vertrauen

Wenn Mode zur Rettung wird

Nathalie Schaller folgt ihrem Herzen statt der steilen Karriere. Die Gründung ihres fairen Modelabels schenkt Frauen aus Zwangsprostitution eine Perspektive.

© Foto: Michael Colella

Abitur, Studium, Karriere — so hätte Nathalie Schallers Leben aussehen können. Doch auf Reisen nach Indien und Kambodscha begegnet sie Überlebenden von Menschenhandel und Zwangsprostitution und ist tief berührt. Welche Perspektive haben die Frauen nach ihrer Befreiung überhaupt? Im Interview berichtet Nathalie, wie ihr Herz für eine große Vision Feuer fing und wie sie ihren Traum von einer besseren Welt in die Tat umgesetzt hat.

 


Nathalie, in deinem Buch nimmst du uns mit in deine packende Geschichte: Von der Jurastudentin zur Gründerin eines humanitären Modelabels. Wie kam es dazu?

Im langjährigen Jurastudium habe ich die tatkräftige Art von Gerechtigkeit vermisst, nach der ich mich gesehnt habe. Ich wollte zu einer größeren Gerechtigkeit beitragen, die von Liebe geprägt ist und die Leben von Menschen ganz konkret verändert. Dass ich diese Art von Gerechtigkeit schließlich als Sozialunternehmerin gefunden habe, ist für mich rückblickend auch eine absolut verrückte Geschichte, bei der sich viele Puzzleteile über die ganze Welt verstreut zusammengesetzt haben. Ich bin froh, diese unglaubliche Geschichte nun aufgeschrieben zu haben, und hoffe, dass sie andere Menschen ermutigt und inspiriert, ihren Weg zu gehen und sich für eine bessere Welt einzusetzen.

 

Also habe ich einfach eins und eins zusammengezählt und beschlossen, mein eigenes eco-faires Modelabel zu gründen, das speziell für solche Frauen Arbeitsplätze schafft.


Wie entstand dann die Idee, ein Modelabel zu gründen?

An einem gewissen Punkt war es für mich total logisch, ein Modelabel zu gründen. Zum einen wollte ich Ausbildungs- und Arbeitsplätze für traumatisierte Frauen schaffen und habe dabei direkt an eine handwerkliche Tätigkeit gedacht, bei der man etwas Schönes herstellt und der Selbstwert gestärkt wird. Auf der anderen Seite habe ich mich schon immer für Mode interessiert und war auch selbst zeitweise eine richtige Shopping-Queen. Nachdem die schrecklichen Produktionsbedingungen in der Textilindustrie aber immer mehr an die Öffentlichkeit kamen, konnte ich nicht mehr mit gutem Gewissen Klamotten shoppen. Also habe ich einfach eins und eins zusammengezählt und beschlossen, mein eigenes eco-faires Modelabel zu gründen, das speziell für solche Frauen Arbeitsplätze schafft.


Und welche Mission steckt hinter deinem Label [eyd]?

Die Mission unseres Modelabels steckt bereits im Namen, denn EYD steht zum einen als Abkürzung für „Empower Your Dressmaker“. Zum anderen sprechen wir es wie das englische Wort „Aid“ (Hilfe/Unterstützung) aus. Unsere Mission ist das Empowerment von Frauen mit einer schweren Vergangenheit. Die Mode ist unser Motor!

 
Neben deinem persönlichen Erleben schilderst du erschütternde Episoden über das Leben der Frauen und Mädchen in Indien. Wie genau unterstützt ihr mit eurem Label die Frauen, die befreit wurden?

Die eigentliche Reintegrationsarbeit mit den Frauen machen unsere Freunde und Partner in Indien. Hier erhalten die befreiten Frauen nicht nur einen fair bezahlten Job als Näherin in einem geschützten und liebevollen Umfeld. Sie bekommen auch die Möglichkeit, ihren Schulabschluss nachzuholen, und erhalten allgemeine Hilfestellung, um ihr Leben in Freiheit gut und gesund zu gestalten. Wir aus Deutschland sind quasi Ressourcen-Geber und versorgen sie mit Produktionsaufträgen, Schnitten, Stoffen und zusätzlichem Knowhow.

 

Das Wichtigste ist, diesem Funken in unserem Herzen Beachtung zu schenken.

Was fehlt den Frauen am meisten, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen? Und wie vielen Frauen konntet ihr bisher helfen?

Die Frauen haben oft den größten Teil ihrer Jugend in den Fängen von Menschenhändlern verbracht und ein normales Leben nie kennengelernt. Unsere indische Partnerorganisation bringt den Frauen daher auch Basic Life Skills bei – einfache Grundlagen wie Hygiene, Haushaltsführung, Behördengänge usw. Bisher konnten 24 Frauen das Programm unserer indischen Partner abschließen.


Welche Bedeutung haben die kleinen gestempelten Blumen in euren Kleidungsstücken?

Mit unserem so genannten „Imprint“ möchten wir eine Brücke schlagen zwischen den Näherinnen und den KäuferInnen hierzulande. Jede Näherin in unserer Partnerwerkstatt hat einen eigenen Stempel mit dem Symbol einer Blume. In jedem Kleidungsstück findet man den Blumenstempel der Näherin, die an dem Kleidungsstück mitgewirkt hat. Auf unserer Homepage kann man die Blumensymbole dann wiederfinden – zusammen mit den Geschichten der Frauen.


Viele Menschen sehnen sich danach, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Was würdest du ihnen raten, damit das Feuer in ihren Herzen weiter angefacht wird? Und aus Ideen Taten folgen?

Ich glaube, das Wichtigste ist, diesem Funken in unserem Herzen Beachtung zu schenken. Es braucht Mut, nicht wegzuschauen, nicht zu verdrängen, sondern die Schieflagen unserer Welt an sich ranzulassen. Wer diesen Mut aufbringt, sich dafür zu öffnen und sich bewegen zu lassen, der wird nicht mehr zu bremsen sein. Wenn unser Herz einmal für eine Sache brennt, können wir fast nicht anders, als uns in irgendeiner Form zu engagieren.


Das Interview führte Ilka Walter.

Hier geht es zur Leseprobe

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