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Die Geschenke des Alltags

Nicht perfekt, sondern echt

EinGenuss – das Lebensmotto von Dagmar Herzog. Sie eröffnet mit ihrem Ladenbistro die Welt der Gewürze, Geschmäcker und Begegnungen.

Foto: privat

Dagmar Herzog erfüllte sich mit ihrem Ladenbistro einen Herzenswunsch. Warum, das verrät sie im Interview.

 

Statt einer IT-Firma führen Sie nun ein Ladenbistro. Wie kam es dazu?

Die Hiobsbotschaft kam Anfang 2013: „Du hast Krebs.“ Für mich eine Botschaft, für die ich tatsächlich auch sehr dankbar war und die ich so annehmen konnte. Sie hat mir die Kraft gegeben, mein Leben zu verändern. Nicht missverstehen: ich hätte darauf verzichten können – aber vorher hätten mein Mann und ich nicht den Mut gehabt, an uns zu denken. Wir hatten den Traum, ein Ladenbistro zu eröffnen, schon einige Zeit gehabt, aber immer auf „irgendwann machen wir das mal“ geschoben. Mit der Diagnose kam der Trotz, die Lebensfreude und die Entscheidung, diesen Traum zu leben. Ganz nach dem Motto: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“  


Was ist das Herzstück von EinGenuss?

Die Freude am Genuss und dem Besonderen. Die Freude, den unterschiedlichsten Menschen zu begegnen und uns einen Ort zu schenken, an den wir gemeinsam zusammen kommen können. Die Freude daran, Gutes zu genießen, Geschichten zu lauschen und zu erzählen. Uns in die Familie Mensch einbringen zu können.


Haben Sie eine „geheime Zutat“ in Ihrem Bistro?

Ich glaube, wir haben mehrere geheime Zutaten in unserem Bistro: das WIR, das Herz, Vertrauen, der Mut ein Wohnzimmer zu sein, nicht perfekt sein zu wollen – sondern echt!


Neben diesem Ort für Begegnung schaffen Sie auch eine Welt der Sinneswahrnehmung. Woher kommt Ihre Liebe für Gewürze, Gerüche, Geschmäcker?

Ich glaube, die Liebe hatte ich schon als Kind entwickelt – unbewusst, da ich sehr schlecht sehe. Mutter Gott hat wahrscheinlich gedacht: Das Menschenkind hier muss mehr riechen und hören, wenn es schon weniger sieht. Wohlfühl-Momente, besondere Momente habe ich meist über Gerüche in Erinnerung. Ob beim Backtag bei meiner Mutter, Erzähl-Besuchstagen bei meiner Oma Helene und ihren Veilchen-Bonbons oder während der Zeit mit meinem Opa Gustav in seinem geliebten Rosengarten. Aber bewusst habe ich diese Liebe erst nach meiner Krebsdiagnose wahrgenommen. Tja, und jetzt lasse ich sie in mir so richtig zappeln und möchte alles nachholen.


Ihr Aufstellbuch
Schön! Soll ein „AlltagsGenussSchmuckstück“ sein. Aber passen Alltag und Genuss überhaupt zusammen?

Aber ja! Alltag ist Genuss. In Alltag steckt für mich das Wort „Alle Tage“ – und jeder Tag ist ein Geschenk. Nicht immer ist alles schön, aber ein Geschenk. Und ich habe jeden Tag die Möglichkeit Schönes wahrzunehmen und klitzekleine Momente zu genießen – das kann ein Lächeln eines fremden Menschen sein, einfach so.


Anstelle von Fachliteratur haben Sie nun viele kleine Geschichten veröffentlicht. Worin liegt der Unterschied?

Fachliteratur ist ganz vereinfacht gesagt: Recherchieren, Fakten sammeln, Konzept erstellen, Struktur aufbauen und los geht’s. Das habe ich auch mit Freude geschrieben. Aber vor allem mit Disziplin, wenn der Abgabetermin gedrängt hat. Das konnte ich auch gut auf Geschäftsreisen im Hotelzimmer oder im Zug machen. Die kleinen Geschichten sind Seelen-Texte aus mir heraus. Die wollen Muse, Zeit zum Reifen, Wortblüten. Mit Disziplin mag sich meine Seele sich nicht entfalten. Der Ort muss passen, Gerüche die animieren, Wohlfühlatmosphäre, lauschen, wahrnehmen, offen sein, sehen, Stimmung … dann sprudelt es.


Wann war Ihr Tag ein guter Tag?

Der Tag war ein guter Tag, wenn ich mich auf ihn eingelassen habe.

 

Das Interview führte Clarissa Gröschen

 

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